Christoph Balber ist Arzt und Philosoph aus Österreich. Darüber hinaus ist er Autor von "Zufall und Lüge", einer philosophischen Theorie von Poker.

Autorenvita

20. Januar 2021

Ich habe mich in meinem Leben immer wieder am Schreiben versucht. Jedes Mal hat es mich überfordert und überwältigt. Meine Kreativität hat stattdessen andere Ventile genutzt, um sich zu entladen – etwa die Musik. Da mein erster Klavierlehrer Jazz-Musiker gewesen ist, hat er meinen Zugang zur Musik auf nachhaltige Weise geprägt. Wo andere Anfänger kleine Bach-Stücke gespielt haben, hat er mir in meiner ersten Stunde „Fly me to the moon“ aufs Notenpult gelegt.

Gleichzeitig bin ich aber immer sehr wissbegierig gewesen und habe logisch gedacht, sodass ich mir als Studium die technische Chemie ausgesucht habe. Ich habe mich von der Ordnung der Elemente und ihrer Quantifizierbarkeit angezogen gefühlt – mit der Konsequenz, dass meine kreative Seite das Nachsehen gehabt hat.

Das Studium sollte sich als unpassend herausstellen, weshalb ich nach einer Alternative gesucht habe. Etwas orientierungslos habe ich die Aufnahmetests für das Medizin- und Psychologiestudium gemacht – und beide bestanden. Insbesondere das Medizinstudium hat sich jedoch als sehr zeitintensiv herausgestellt, sodass ich die Psychologie fallen gelassen habe. Eine hübsche und leckere Kartoffel, die mir zu heiß geworden ist.

Im dritten Jahr meines Medizinstudiums hat sich erstmals die Lust am Philosophieren geregt. Ich habe mir Bücher zur Philosophie gekauft, mich jedoch trotzdem ein wenig verloren gefühlt. Das Studium an der Universität Wien hat mich schließlich mit dem Versprechen gelockt, mir das Philosophieren beizubringen. Nach der Inskription an der Uni sind philosophische Seminare mein neues Hobby geworden.

Nach dem Medizinstudium bin ich nach Deutschland gegangen, um Psychiater bzw. Psychotherapeut zu werden. Die Psychiatrie symbolisiert für mich die Kartoffel, die ich einst fallen gelassen habe. Sie hat bloß ein wenig Zeit zum Auskühlen gebraucht.

Irgendwann hat mich wieder der Ruf der Heimat ereilt, sodass ich meine Sachen gepackt habe und zurück nach Österreich gegangen bin. Meine Ausbildung habe ich währenddessen auf Eis gelegt. Meine frisch gewonnene Freiheit habe ich stattdessen genutzt, um mein Philosophiestudium abzuschließen, und an meiner philosophischen Theorie von Poker zu arbeiten. Auf einmal habe ich Zeit gehabt, mich dem Denken in angemessener Form zu widmen.

Poker habe ich zuerst während des Pokerbooms gespielt, wo ich auch online sehr aktiv gewesen bin. Damals hat es sogar ein Casino in meiner Nähe gegeben, das Gratisturniere angeboten hat. Der Veröffentlichung meiner Theorie ist schließlich eine weitere Phase vorausgegangen, wo ich öfters im Casino Platz genommen habe. Das Pokerspiel im Casino hat mir immer große Freude bereitet.

Ich habe jedoch keine Ambitionen, meinen Lebensunterhalt mit dem Pokern zu bestreiten, da mir die Berufung zum Wettkampf fehlt. In meiner Kindheit und frühen Jugend bin ich gut fünf Jahre lang „professioneller“ Läufer gewesen. Mein Vater hat mich von einem Wettbewerb zum nächsten geschleppt und ich habe jedes zweite Wochenende in einer anderen Ortschaft verbracht. Ich kenne das Gefühl an der Startlinie, bevor es zum Startschuss kommt. Und ich weiß, wie es sich anfühlt, auf der Zielgeraden zu sein. In einem Keller liegen rund 50 Pokale in einer Kiste, die mich an diese Vergangenheit erinnern.

Wenn ich mich an einen Pokertisch setze, dann fühle ich mich in diese Zeit zurückversetzt. Der Adrenalinrausch am Beginn. Der Blutdurst des Kriegers. Die Enttäuschung des Verlierens. Der Wettkampf-Aspekt des Spiels ist für mich nur zu real. Er weckt nostalgische Gefühle und schreckt mich gleichzeitig ab. Er berauscht und ermahnt zugleich.

Mein Denken ist das eines Philosophen. Eine in regelrechte Bahnen gelenkte Explosion kreativer Impulse. Es versucht, die Welt zu verstehen und das Unsagbare in Worte zu fassen. Die Schönheit im Gedanken zu finden. Schranken zu öffnen und neue Begrenzungen zu schaffen. Verbindungen herzustellen. Das Komplexe zu vereinfachen und das Einfache zu verkomplizieren. Und das, ohne richtig oder falsch sein zu müssen.

Denn ein philosophischer Gedanke muss nicht unbedingt richtig, sondern bloß schön sein. Für mich ist die Philosophie die Kunst des ästhetischen Gedankens. Einzig das Hässliche wollen wir nicht für richtig halten. Von daher hoffe ich auch – um mit Kant zu sprechen – den „Geschmack“ meiner Leserinnen und Leser zu treffen.

 
  • Facebook
  • Instagram

Zur Newsletter-Anmeldung

Impressum - Datenschutz

©2021 Christoph Balber