Zufall und Lüge 1: Erstes Buch einer philosophischen Theorie von Poker

Das Pokerspiel kann man mit oder ohne Herzeigen der eigenen Karten gewinnen. Auf diesem Gegensatz beruht die Spaltung des Spiels in zwei Bereiche, die beide miteinander im Widerspruch stehen. So sind die Karten etwa theoretisch, objektiv und zufällig. Sie stehen für die Wahrheit, das Wissen und die Vernunft. Der Bluff hingegen ist pragmatisch, subjektiv und manipulativ. Er steht für die Lüge, die Intuition und das Unterbewusste. Zufall und Lüge 1 ist der erste Band einer philosophischen Theorie von Poker, der diesen Gegensätzen auf den Grund gehen will.

Zufall und Lüge 1 ist der erste Band einer philosophischen Theorie von Poker.
Zufall und Lüge 1 ist als Taschenbuch und Ebook erhältlich.

Taschenbuch und Ebook
458 Seiten
ISBN-13: 9783752686173
Verlag: Books on Demand
Erscheinungsdatum: 27.11.2020

Buchvorstellung

20. Januar 2021

Zufall und Lüge 1 ist der erste Teil einer philosophischen Theorie von Poker. Der zweite Band befindet sich derzeit in der letzten Überarbeitungsphase und sollte demnächst im Buchhandel erscheinen.

Die Philosophie wird oftmals ein wenig belächelt und für realitätsfern gehalten. Ihr wird gerne unterstellt, dass sie keine praktische Relevanz besitzt – mit Ausnahme der Ethik, versteht sich. Die Ethik gilt für viele Menschen als bedeutsamste Leistung der Philosophie und als Prüfstein der philosophischen Praxis. Und so kommt es auch, dass Philosophen hauptsächlich aus einer ethischen Warte über Poker nachgedacht haben. Spielsucht, Geld und Egoismus sind die Begriffe, die sich in einer philosophischen Reflexion des Spiels in den Vordergrund drängen.

Die Philosophie ist aber viel größer als bloß die Ethik. Und das Pokerspiel ist weniger „praktisch“, als man zunächst annehmen möchte. Mich verwundert es immens, dass sich die philosophische Reflexion von Poker auf die Dimension von Gut und Böse fixiert hat. Es stellen sich nämlich eine Reihe von Fragen, die nicht unmittelbar mit der Ethik zu tun haben:
Woran erkennt ein Pokerspieler etwa, ob er getäuscht wird?

Kann man auch ehrlich sein?
Welche Auswirkungen hat der Zufall auf die Freiheit unseres Handelns?
Welche Formen kann unser Handeln überhaupt annehmen?
Wie konstituiert sich unser Blick auf die Welt?
Wie ist unsere subjektive Existenz als Pokerspieler verfasst?
Wie steht es um die Erkenntnis der Wahrheit?
Welche Bedeutung hat unsere Leiblichkeit?
Braucht es die Möglichkeit eines fremden Bewusstseins?
Gibt es Strukturen der Macht und wie sind sie beschaffen?
Gibt es ein Schicksal?
Welche Rolle spielt die Mathematik?

Über die letzten Jahre hat sich die Mathematik zunehmend angemaßt, die Funktionsweise des Spiels vollständig erklären zu wollen. Oftmals unterscheidet sie aber nicht, ob man mit den besseren Karten oder dem Bluff gewinnen will – was verheerende Konsequenzen hat: Für den Bluff ist es nämlich egal, wie gut die Karten sind.

Die Ausgangslage meiner Theorie ist deshalb die These, dass die Karten und der Bluff eine Antinomie bilden – also einen Widerspruch zwischen zwei Seiten, die beide eine Richtigkeit für sich beanspruchen. Demnach kann man einen Pot auf zwei Arten gewinnen: Entweder man zeigt die besseren Karten her, oder alle anderen Spieler werfen die ihren weg.

Diese Zweiteilung können wir auf viele andere Bereiche des Spiels ausdehnen. Auf einmal haben wir es mit einem Widerspruch zwischen einem theoretischen und einem pragmatischen Spiel zu tun, zwischen einem Denken und einem Fühlen. Wer mit den Karten gewinnen will, der will sich den Sieg errechnen. Wer hingegen blufft, der bestimmt seine Zukunft selbst – und so weiter, und so fort.

Darüber hinaus behaupte ich, dass wir immer schon bestrebt sind, die Antinomie auf eine ihrer Hälften aufzulösen, weil uns der Widerspruch überfordert. Zu diesem Zweck müssen wir jedoch die Gegenseite leugnen, was in weiterer Folge zu zahlreichen Konflikten in der eigenen Spielstrategie führt. Ein Großteil meines Buches wird sich der Aufgabe widmen, diese Konflikte aufzuspüren und nachzuzeichnen.

Meine philosophische Theorie von Poker ist unorthodox, weil sie sich gegen das vorherrschende mathematische Paradigma auflehnt. Sie mag auch keine leichte Lektüre sein. Meine Konzepte sind mitunter sehr komplex, und manchmal lässt sich das Komplizierte nicht in einfache Worte fassen. Ich habe mich jedoch um eine möglichst präzise und gut verständliche Sprache bemüht.

Wer sich nicht scheut, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, den lade ich herzlich ein, meiner philosophischen Reise durch das komplexe Dickicht des Spiels zu folgen.

Ausblick auf den zweiten Teil:

Wie gesagt befindet sich der zweite Teil derzeit noch in Überarbeitung. Doch ist seine Ambition keinesfalls geringer. Im zweiten Buch werde ich auf Grundlage der Aussagenlogik eine eigene zeitliche Logik bauen und die Spiel-Mechanik von Poker logisch rekonstruieren. Es geht um Aussagen wie „Wenn ich setze, dann foldet im Anschluss mein Gegenspieler,“ die man auf zahlreiche Arten interpretieren kann. Muss ein derart „machtvolles“ Handeln etwa immer gewollt sein? Was ist wichtiger: Das Setzen oder der Fold? Welche Auswirkungen hat der Fold überhaupt auf die Existenz meiner Welt?

Zwei zentrale Begriffe werden die Macht und die Ohnmacht sein. Bei der Macht geht es darum, seinen Gegenspieler zum Wegwerfen der Karten bewegen zu können. Ohnmächtig ist man hingegen dann, wenn man die besseren Karten braucht, um zu gewinnen. Darüber hinaus werde ich eine Begründung versuchen, warum Poker eigentlich ein zutiefst unfaires Spiel ist. Und es wird ein eigenes Ethik-Kapitel geben, wo ich den Spielcharakter von Poker genauer unter die Lupe nehme.

 
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