Zufall und Lüge 2: Zweites Buch einer philosophischen Theorie von Poker

In der Fortsetzung von Balbers philosophischer Theorie geht es um eine logische Rekonstruktion der Spielmechanik von Poker. Es soll gezeigt werden, wie die Objekte der Welt, die Handlungen der Spieler, und die Urteile über Sieg und Niederlage im zeitlichen Verlauf miteinander verknüpft sind. Von besonderer Bedeutung sind dabei die Begriffe der Macht und der Ohnmacht: Der ohnmächtige Spieler braucht die besseren Karten, um zu gewinnen, während die Macht zum selbstbestimmten Sieg verhilft. Zum Abschluss enthält das Buch auch eine selbstformulierte Ethik, die das Gesamtbild abrundet.

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Taschenbuch und Ebook
428 Seiten
ISBN-13: 9783753405520
Verlag: Books on Demand
Erscheinungsdatum: 30.04.2020

Die Reise geht weiter

16. Mai 2021

Im ersten Buch bin ich noch von einer „einfachen“ Wirklichkeit ausgegangen. Dies möchte ich in Zufall und Lüge 2 ändern, indem ich die Wirklichkeit in ihre logischen Bestandteile aufspalte. Es handelt sich hierbei um:
- die objekthafte Wirklichkeit mit den Gegenständen der Karten und der Macht
- die geschehende Wirklichkeit mit dem Inhalt des Handelns und der Kontrolle darüber
- die urteilshafte Wirklichkeit mit der Feststellung von Sieg und Niederlage

Zusätzlich dazu werde ich auch die „gegenwärtige“ Betrachtung der Wirklichkeit aufgeben und den zeitlichen Verlauf analysieren. Ab sofort geht es mir vorrangig um ein „Vorher-Nachher“.


Um die verschiedenen Elemente der Wirklichkeit über längere Zeiträume hinweg miteinander in Beziehung zu setzen, verwende ich die Aussagenlogik. Daraus ergibt sich mein Ziel einer logischen Rekonstruktion der Spielmechanik. Ein solches Projekt ist sehr ambitioniert und mit zahlreichen Hürden verbunden. Die erste besteht natürlich darin, dass die Aussagenlogik nur „wahrheitsfunktionale“ Beziehungen zwischen Aussagen untersucht und keine Zeitlichkeit kennt. Das erste Kapitel widmet sich deshalb auch einer logischen Integration der Zeit in den Raum.


In weiterer Folge wird es darum gehen, die logischen Gesetzmäßigkeiten des Spiels herauszuarbeiten. So gibt es etwa ein eigenes Kapitel, das der Fähigkeit des Folds gewidmet ist, die Welt vernichten zu können (K17). In der „vernichtenden Gewalt des Folds“ liegt für mich die Begründung, warum der Fold eigentlich die bedeutsamste Handlung im Spiel ist.


Etwas später werde ich schließlich die Ohnmacht vorstellen (K19). Es handelt sich dabei um ein Merkmal des analytischen Spielers, das darin besteht, die besseren Karten zu brauchen, um zu gewinnen. Davon ist erwartungsgemäß die Macht unterschieden, die die Befähigung zum Ausdruck bringt, den Gegenspieler zum Fold bewegen zu können. Die Macht ist ein ziemlich großer Themenkomplex, den ich aus verschiedenen Perspektiven betrachten werde.


Aufgrund des enormen Umfangs, den ich thematisch der Macht widme, könnte man glauben, ich hätte eine „Theorie des Bluffs“ geschrieben – doch unterstreicht das nur seine immense Bedeutung für die Funktionsweise des Spiels. Besonders interessant mag wahrscheinlich das Kapitel 24 sein. Dieses beschreibt in einer Art „krönendem Abschluss“, welche Möglichkeiten wir insgesamt haben, um unseren Gegenspieler zu manipulieren; und weshalb der Bluff nicht nur in der Täuschung aufgeht.


Ein Kapitel, das ein wenig aus der Reihe tanzt, betrifft die Unfairness des Spiels (K23). Dort werde ich ausführlich dafür argumentieren, warum Poker eigentlich ein zutiefst unfaires Spiel ist. Ich werde aber ebenso eine Möglichkeit aufzeigen, es fairer zu gestalten und zu diesem Zweck eine neue Poker-Variante vorstellen – die ich etwas eigennützig auch als „Poker nach Balber“ bzw. „Balber-Regeln“ bezeichne. Man möge mir meine Bemühungen verzeihen, meinen Namen unsterblich zu machen. Besonders spannend ist auch das Kapitel 25, wo ich eine eigene Ethik formuliere. Ich werde einige ethische Problemfelder des Spiels beschreiben, für die ich gleichfalls einen Ausweg anbieten möchte.


Die vielen Überarbeitungen des zweiten Buchs sind eine große Herausforderung für mich gewesen. Sie haben sehr an mir gezehrt und Monate vollster Konzentration in Anspruch genommen. Dabei ist die logische Rekonstruktion in diesem Ausmaß gar nicht geplant gewesen und stattdessen „organisch gewachsen“. Es haben sich immer wieder Fragen gestellt, die einer Erklärung bedurft haben. Dies gilt insbesondere für meine mathematischen Definitionen aus Kapitel 15, ohne die meine Theorie unverständlich wäre.


Wer das erste Buch gelesen hat, soll nicht annehmen, dass damit bereits alles Wichtige gesagt worden ist. Nichts könnte der Wahrheit ferner liegen! Zufall und Lüge 2 enthält zahlreiche Gedanken, für die ich bisher keine Zeit oder keinen Platz gehabt habe. Es handelt sich eben um eine Theorie, die zufällig zwei Teile hat.

 

Eine „philosophische Theorie von Poker“ gibt es bislang noch nicht – und wahrscheinlich wird meine auch lange Zeit die einzige bleiben. Ich habe mir sehr viel Zeit und Energie für sie genommen, weil ich aus tiefstem Herzen dafür gebrannt habe. Sonst wäre es mir auch nicht möglich gewesen, weit über 3000 Arbeitsstunden darin zu investieren.


Finanziell profitiere ich übrigens nicht davon: Bisher schreibe ich immer noch rote Zahlen. Ich kann mir keinen Philosophen vorstellen, der sich aus reinem Interesse derart viel Zeit für ein bloßes „Kartenspiel“ nimmt – wenngleich ich nicht ausschließen mag, dass irgendwann einmal jemand in meine Fußstapfen treten wird. Vielleicht habe ich ja den Anstoß für eine vertiefende Diskussion geliefert.


Das zweite Buch mag keine leichte Lektüre sein – sicherlich nicht leichter als das erste. Im Gegenzug bietet es aber einen noch tieferen Einblick in die versteckten Mechanismen von Poker. Wer das erste Buch spannend gefunden hat, der wird das zweite ebenfalls mit großem Interesse aufnehmen. Dessen bin ich mir sicher. Von daher lade ich jeden herzlich ein, der das erste Buch gelesen hat, mir auch ins zweite zu folgen.

Erhältlich u. a. in folgenden Online-Buchhandlungen:

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