
Autorenvita
zuletzt aktualisiert am 16. Mai 2026
Ein Autor, viele Gesichter.
Meine Geschichten haben genauso viele Facetten wie ich selbst. Niemand anders als ich hätte sie schreiben können. Kein anderer Verstand hätte die Welten erschaffen können, keine andere Seele die Charaktere zeichnen, kein anderer Geist die Form ersinnen. Kreative Impulse mischen sich mit klaren Regeln – Regeln, die in meiner alleinigen Biographie verankert sind.
Meine Geschichten sind nicht nur Handwerk und Kunst, sie sind Leben – mein Leben.
In meinem Werk stecken mein Glück, meine Trauer, meine Weisheit und meine Philosophie. Es ist Ausdruck meiner Hoffnungen, meiner Träume, meiner Sehnsüchte und meiner Albträume. Es ist die Sublimation von Erfahrungen, die Reflexion von Erkenntnissen, die Gestalt eines Lebensentwurfs. Mein Scheitern und meine Kränkungen finden sich in meinen Texten genauso wieder wie meine Triumphe und meine Errungenschaften.
Meine Stimme ist unverwechselbar. Sie ist so unverkennbar und einzigartig wie der Weg, den ich gegangen bin.
Was sind meine Facetten? Ein scharfer analytischer Verstand und unbändige Neugier. Eine unerschöpfliche kreative Ader. Das starke Bedürfnis, die Welt und den Menschen zu verstehen. Eine Sehnsucht nach Bindung zu meinen Mitmenschen. Das Streben nach Erfolg.
Und eiserne Disziplin.
Ich habe aber auch eine andere, ruhigere Seite. Denn obwohl ich gelernt habe, aus mir herauszugehen, bin ich von Grund auf schüchtern. Als Introvertierter sind meine Batterien rasch geleert. Und so genieße ich gerade die stillen Momente in Meditation am meisten.
Nehme ich die Welt anders als die meisten Menschen wahr?
Sehr wahrscheinlich.
Halte ich das für einen Mangel?
Keineswegs. Es macht mich zu dem, der ich bin.
In meiner Jugend hatte ich sieben Jahre lang Klavierunterricht bei Jazzpianisten. Diese Ausbildung hat mein kreatives Gespür nachhaltig geprägt. Der Pianist, dem ich damals am liebsten gelauscht habe, war übrigens Oscar Peterson. Zwei Jahre habe ich mich sogar am Tenorsaxophon versucht, doch sollte ich nicht dabei bleiben. Während des Studiums habe ich in verschiedenen Chören gesungen und bin immer noch dankbar, dass ich die wunderbaren Requiems von Mozart und Brahms einstudieren durfte. Heute bin ich meinem Chor Cantachiaro als Tenor (und gelegentlich als Pianist) treu.
Die Musik, zu der ich am liebsten tanze – und man mag es mir vielleicht nicht glauben – ist Psytrance. Die Mischung aus gleichmäßigem Beat und psychedelischem Sound, besonders mit Schwerpunkt auf melodischer Variation, löst ein spürbares Echo in mir aus. Doch schwinge ich nicht nur am Techno-Floor das Tanzbein, seit ich die Liebe zum argentinischen Tango entdeckt habe. Diesen tanze ich zu einem Viertel wegen der Musik, zu einem Viertel wegen des kreativen Ausdrucks und zur Hälfte wegen der Verbindung zum Anderen.
Den größten Einfluss auf meine Weltsicht hatte vermutlich mein Philosophiestudium. Ich habe es während des Medizinstudiums begonnen und berufsbegleitend abgeschlossen. Es hat mir Wege aufgezeigt, über die Welt nachzudenken und mir vor Augen geführt, dass eine einzelne Frage mehrere Antworten haben kann. Es hat mich inspiriert, an einer philosophischen Theorie des Pokerspiels zu arbeiten, für die ich mir zwei Jahre Auszeit vom Beruf genommen habe.
Vom Hauptberuf bin ich Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin. Der letzte Teil bezieht sich darauf, dass ich eine psychotherapeutische Ausbildung mit Schwerpunkt auf Verhaltenstherapie durchlaufen habe. Meine erste Berufserfahrung als Psychiater habe ich in Deutschland in der Nähe von Berlin gesammelt. Abgeschlossen habe ich meine Facharztausbildung jedoch in meiner Heimat Österreich. Der Beruf hat mir aufgezeigt, wie verletzbar die menschliche Psyche ist und wie schwer es ist, sie zu heilen.
All diese Aspekte mischen sich in meinen Werken zu einem homogenen Ganzen. Ich schreibe mit der Stimme eines Jazzpianisten, Philosophen, Verhaltenstherapeuten und Psychiaters. Ich bin aktuell 36 Jahre alt. Hätte ich mit 20 angefangen zu schreiben, wären meine Geschichten nichts Besonderes gewesen. Jeder hätte sie schreiben können.
Jetzt geht das nicht mehr.
Ich habe hunderte Menschen in psychischen Krisen erlebt.
Ich habe tausende Stunden über die Welt nachgedacht.
Ich habe zehntausende Stunden an meinem künstlerischen Ausdruck gefeilt.
Ich musste meine Stimme als Autor zwar erst finden, aber als ich sie gefunden habe, fühlte es sich so an, als kehrte ich in meine Heimat – zu mir selbst – zurück.
Es gibt keinen Unterschied zwischen mir und meinen Werken. Sie sind ein und dasselbe.